.
Ein Erlebnisparadies Rothenburg für Maler, oder wie Carl
Spitzweg nach Rothenburg kam und die Stadt lieben lernte. Das beschreibt Fritz
Schaumann in der Erzählung, die im Kern historisch, aber etwas ausgeschmückt
wurde wie der Autor betont. Mit Carl Spitzweg hat einer der großen Maler die
Tauberstadt mit ihren Gassen, Winkeln mit Menschen und Plätzen verewigt. Für
die Familie Schaumann sei das auch ein Teil der Geschichte: “von unserem
verehrten Schopf-Maler Opa Scheibenberger, dessen direkte Geschäftsnachfolger
wir in fünfter Generation sind“, so beschreibt es der heutige Museumsleiter
Friedrich G. Schaumann in seiner Erzählung. Im Bild ein Fenster der Firma in
der Galgengasse mit Hinweisen auf den Opa und auf Spitzweg.
Es war um das Jahr 1860 herum. Der “Apotheker-Pinsler“ Carl
Spitzweg hatte in der Galerie des Grafen Schönborn in Pommersfelden Bilder
kopieren dürfen. Er hatte sein Malzeug schon nach München geschickt, wohin auch
er wieder zurückkehren wollte. Mit dem Felleisen auf dem Rücken zog es ihn aber
noch ein wenig den Main entlang. So wanderte er durch den Steigerwald nach
Ebrach und nach Sulzfeld, wo er sich die herrlichen Schöppchen wohl schmecken
lies. In der “Schnecke“ in Ochsenfurt gab ihm dann ein vertrockneter
Latein-Schul-Lehrer, der fleißig und gewissenhaft einen Schoppen nach dem
anderen schlürfte, so die Überlieferung, den Rat sich nun noch Rothenburg
anzuschauen, das wäre was für Malersleut. So wanderte der Maler aus
Leidenschaft, Carl Spitzweg, über Creglingen das liebliche Taubertal frohgemut
aufwärts. Gegen Abend gelangte er nach Detwang und fand sogleich im “Schwarzen
Lamm“ beim Johann Friedle, ein gastliches Wirtshaus. Am Tisch neben ihm
unterhielt sich der Wirt mit einem grauschopfigen Gast, der wohl seiner
Malerzunft angehören musste. Er klagte nämlich, dass sein guter Malergeselle
sich just das Bein gebrochen habe, gerade in der notwendigsten Zeit, denn der
Stadtbaumeister dränge, den Adler im Kaisersaal neu zu vergolden. Die Kirche
von Steinsfeld solle er ausmalen. Der Pfarrer von Bettwar wolle sofort sein
Studierzimmer neu geweißelt haben. In der oberen Rathaustenne sollen die von
ihm selbst verfassten Sprüche kunstvoll aufgemalt werden und vieles andere. Foto:
das Hotel in der Paradeisgasse.
Da stach den Spitzweg der Hafer. Er sei ja auch von der
Zunft und könne vielleicht helfen. Der Malermeister, es war der alte
Scheibenberger, hörte sich das Anerbieten des für ihn Fremden argwöhnisch an,
jedoch schien er tatsächlich so in Nöten zu sein, dass er den Unbekannten
gleich mitnahm und ihn im Dachstübchen einquartierte. Es wäre nun viel zu
erzählen, wie sich der “Malergeselle“ von der heimelichen Schönheit des
Städtchens umgarnen ließ und wie sie seine “Geliebte“ wurde, während er
gleichzeitig mit Fleiß und mit großem Geschick seine vielseitige Arbeit
verrichtet hat. Der Meister war voll des Lobes. Und noch bei jemandem begann
sich ein heißes Gefühl zu entwickeln, bei der Haustochter. So gingen die Wochen
dahin. Der Skizzenblock des Malers füllte sich mit erzählenden Bildern. Doch
sann er darüber nach, wie er sich aus diesem “Erlebensparadies“ wohl einmal
wieder lösen könnte. Da kam ihm das Leben zu Hilfe: der Meister Scheibenberger
hatte einen Vergolderauftrag an der Marienfigur gleichnamiger Apotheker
angenommen. Beide, Meister und Geselle zogen mit ihrem Gerüstzeug zum Markt an
jenes herrliche Patrizierhaus, das Spitzweg längst zur späteren
Gemäldeausführung in seinen Block gebannt hatte. Doch als sie die Gerüststangen
aufgestellt hatten, da trat der Hausherr und Apotheker Weißgerber Fritz auf den
Malergesellen zu und begrüßte ihn als seinen alten Studienfreund. So fand der
liebenswerte Schwindel ein jähes Ende und so wurde durch einen begnadeten Maler
mehr die Unsterblichkeit der “Geliebten Rothenburg“ noch unsterblicher. Foto: die
Apotheke mit Erker und Marienfigur.
Friedrich G. Schaumann
Hinweis: Der Autor betreibt in den Kellerräumen seines
Geschäftshauses Ecke Judengasse-Galgengasse in Rothenburg ein Museum, das die
Geschichte der jüdischen Gemeinde im 13. Jahrhundert wiedergibt. Die Zeit, in
der Rabbi Meir Ben Baruch in der Stadt lebte und unterrichtete. Eine
Beschreibung des Museums mit Literaturhinweisen ist im Blogreiter Weblog zu
lesen. Im Bild ist Friedrich Schaumann zu sehen, im Museumsgewölbe,
in der Installation “Rabbi Meir unterrichtet seine Schüler“.
Im Haus des heutigen “Hotel Spitzweg“ erinnert vieles an
Spitzweg, den großen Maler der Romantik, der hier in Rothenburg gelebt und als
Apotheker gearbeitet hat.
Die Paradeisgasse in Rothenburg mit einem schönen Sinnspruch
und mit dem Haus Nr. 2 in dem Carl Spitzweg wohnte.
Its name ”Spitzweg“
recalls the great painter of the romantic era, Carl Spitzweg. An English
translation is working, soon!
Fotos blogreiter (wirth)
tschuess
Letzte Kommentare