Einer der markantesten Tortürme Rothenburgs ist der nach Norden stehende Klingentorturm. Er gehört mit seinen Vorbauten und der Wolfgangskirche zu einem ganzen Ensemble von Wehrbauten, die allesamt eine recht interessante Geschichte darstellen. Die Stadt verband an dieser Stelle in einzigartiger Weise Sakral- und Wehrbau. Um 1360 urkundlich erwähnt, ragt der Torturm wegen seiner Zwingertüren über die Mauerflucht vor. Vom Torhaus oder Fanghof, steht nur noch der Unterbau, die Torburg ist kaum mehr zu erkennen.
Das Foto im April aufgenommen, zeigt den Turm von der Westseite, vom Weg am Strafturm aus.
Der äußere Torturm wurde baulich in die 1475 gestiftete Wolfgangskirche einbezogen. Von der Kirche zum Wehrgang spannt sich kreisbogenförmig eine Barbakane, die zwischen 1578 und 1592 entstand. Die große Durchfahrt darunter diente dazu, Kanonen und Nachschubwagen auf den Außenwall zu schaffen. Das Torwärterhäuschen auf der Innenseite der Barbakane wurde 1699 errichtet. Das Foto zeigt den Wehrgang des Turmes nach Osten gesehen, der Gang verläuft in Richtung Pulverturm, mit der Holztüre links, die den Ausgang vom Geschützboden der Wolfgangskirche, bezw. der Barbakane darstellt.
In der anderen Richtung nach Westen, folgt der Treppenabgang vom Turm des Wehrgang zur Klingengasse. Mit der Verlängerung von der Klingenschütt zum Weg bei der Klosterweth und zum Museum im Dominikanerinnenkloster hin. Im Turm oben wurde um 1595 mit einer Wasserzuleitung von der Bronnenmühle her, ein offener Kessel installiert, um die Versorgung der Stadt mit Trinkwasser zu verbessern. Der Baumeister Leonhard Weidmann hat 1587 außerhalb des Turms, im Westen das Walltor erbaut, von dem noch Reste zu sehen sind. ( Karl Borchardt / Ekkehart Tittmann, Rothenburger Hefte 1 )
Von dem Maler Arthur Wasse ( Dez.1854-Okt.1930 ), stammt das romantische Bild “ Der Klingentorturm “ , um 1920 gemalt in Öl auf Leinwand. Es ist im Reichsstadtmuseum Rothenburg zu sehen, neben vielen anderen Gemälden von Arthur Cramer James Wasse. Viele seiner Bilder malte er von der Terrasse seines Hauses am Wallgraben neben der Wolfgangskirche und dem Walltor, Klingenbastei 1a. Über seine Ansichten zur Malerei und seine Bilder existiert nur eine vage Aussage. Dass er der modernen Malerei nicht folgen wolle und dass er, wörtlich: “…nur so malen kann, wie ich kann“. (Helmut Möhring zu Retrospektive Nov.2004) Eine Biografie des Malers ist unter 'Museum/Kunst' von Dr. Möhring im Weblog, ebenfalls in Englisch von Mike Wasse. Bild von Arthur Wasse © Sammlung Reichsstadtmuseum. Fotos: © leo wirth
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