Da habe ich mal wieder das alte Kochbuch meiner Mutter durchgeblättert und in Nostalgierezepten geschwelgt. Das hat sie damals zur Hochzeit im August 1924 von ihrer Schwiegermutter bekommen und im laufe der Jahre durch viele handgeschriebene Rezepte ergänzt. Eine wahre Fundgrube für Liebhaber der einfachen Kost, denn so exotische Gerichte wie sie in den neuen Kochbüchern angeboten werden, wollte damals keiner, ich übrigens heute noch nicht.
Zum Beispiel der Schweinebraten (für vier Personen) aus ¾ Kg Schweinefleisch, 1 Eßlöffel Fett, 1 Eßlöffel Mehl, 1 Zwiebel, Salz und Pfeffer, 1 Teelöffel Maggi’s Würze. Das mit Salz und Pfeffer eingeriebene Fleisch im heißen Fett von allen Seiten anbraten und zuletzt die kleingeschnittenen Zwiebel mitbräunen lassen. ½ Liter kochendes Wasser zugießen und bei geschlossenem Topf 1 ½ Stunde garschmoren lassen. Das Fleisch herausnehmen, warmstellen, das Mehl mit kaltem Wasser anrühren, zum Bratensatz geben, gut aufkochen lassen und nach Salz und Maggi’s Würze abschmecken.
Das liest sich doch wie ein Gedicht und die Maße in Eß-oder Teelöffeln praxisbezogen, die Maggi Würfel kennt auch keiner mehr. Das Gemüse holte man beim Bauern um die Ecke, wie die Milch oder die Eier und was der nicht hatte gabs im Konsum Laden.
Im Kochbuch wurden auch die Fleischsorten und die Aufteilung erklärt, sodaß die Hausfrau wusste was sie beim Metzger verlangen sollte.
Wo ist die Esskultur geblieben und das Verständnis für die heimischen Lebensmittel? Vom gemeinsamen Essen im Kreise der Familie hin zur Fast Food, möglichst schnell und im vorbeigehen. Ne, da macht das Selberkochen schon mehr Spass und Butter oder Schweinefett ersetzen wir halt durch Olivenöl, kein Problem.
In diesem Sinne bleibe ich bei den alten Rezepten, etwas angepasst an die mediterane Küche, und schaue ab und zu mal wieder rein ins alte Kochbuch mit den plattgedrückten Kräutern. Fotos: © l.wirth
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